Basteln mit Holz

Maibaum – alter, schöner Brauch

Maibäume im Frühling

Der 1. Mai ist ein gesetzlicher Feiertag, der vielerorts traditionell gefeiert wird. Der Maibaum wird – je nach Region – bereits am Vorabend oder direkt am 1. Mai feierlich auf einem Dorfplatz aufgestellt.

Dieser große und gerade gewachsene Fichtenstamm, der noch am Wipfel grün ist, wird von den Frauen mit Rindenschnitzereien verziert und mit den Wappen- und Zunftschildern des Dorfes geschmückt.

Schließlich wird noch ein großer, grüner Kranz geflochten, mit bunten Bändern versehen und ebenfalls um den Stamm gehangen. Dabei sind der grüne Wipfel und der Kranz, die eigentliche Symbole des Brauches und stehen für Fruchtbarkeit.

Ursprung und Tradition des Maibaums

Bändertanz um einen Maibaum
Bändertanz um einen Maibaum

Bäume sind ein Zeichen des Lebens und stehen für Wachstum, Fruchtbarkeit und Standhaftigkeit. Es gibt unterschiedliche Annahmen, wo und wann der Maibaum das erste Mal erschienen ist.

Jedoch geht seine Tradition viele Jahrhunderte zurück und war u. a. auf eine Methode der Partnervermittlung. Die Junggesellen konnten am Maiabend Frauen ersteigern und sicherten sich somit die Ehe innerhalb eines Dorfes.

Aber der Maibaum steht auch für den Wohlstand eines Dorfes und für bürgerliches und gemeinschaftliches Bewusstsein. Umso reicher ein Dorf war, desto größer und prachtvoller waren die Wappen- und Zunftschilder.

Heute wird besonders in Hessen und in Bayern großen Wert auf diese alte Tradition gelegt.

Maibaum aufstellen

Maibaum wird durchs Dorf getragen
Maibaum wird durchs Dorf getragen

Bevor man den Baum in der Mitte des Dorfes aufstellt, wird er zeremoniell durch das Dorf getragen.

Von Zuschauern bewundert und meistens von einer Kapelle begleitet, tragen die jungen Burschen diesen schweren Baumstamm durch das ganze Dorf und bringen ihn mit viel Kraft in die richtige Position.

Derweilen vertreiben sich die anderen Bewohner die Zeit mit ausreichend Bier und Bratwürstchen. Am späten Abend wird das Fest dann von dem sogenannten Maitanz begleitet und geht meistens feucht und fröhlich bis zum frühen Morgen. Der Maibaum steht meistens den ganzen Monat.

Maibaum stehlen

Ein beliebter Brauch ist es, den noch nicht aufgestellten Maibaum zu stehlen. Daher wird dieser auch ständig bewacht und nicht unbeaufsichtigt gelassen.

Die Gemeinde eines anderen Dorfes lässt sich dabei einige Tricks einfallen, um an den Maibaum einer anderen Gemeinde zu gelangen. Eingelöst wird das Diebesgut, durch die jeweilige Gemeinde, meistens durch Bier und einer Brotzeit für alle.

Jedoch gibt es ungeschriebene Regeln, die jeder beim Maibaum stehlen zu beachten hat:

  1. Nur bereits gefällte Bäume dürfen gestohlen werden.
  2. Der Stamm muss bereits im Dorf sein und darf nicht aus dem Wald entnommen werden, da es sich dabei um Holzdiebstahl handelt und strafrechtlich verfolgt werden kann.
  3. Es darf nur der Maibaum eines anderen Dorfes gestohlen werden. Der eigene Maibaum ist nur zu bewachen und darf auch nicht spaßeshalber entfernt werden.
  4. Bei dem Diebstahl darf man nicht entdeckt werden. Selbst wenn man erwischt wird, muss man kampflos den Stamm zurückgeben. Gewalt in jeglicher Hinsicht ist strengstens untersagt und würde den ganzen Brauch infrage stellen. Ebenfalls muss der Stamm ganz bleiben und darf nicht zersägt, zerschnitten oder beschädigt werden.
  5. Bereits aufgestellte Maibäume sind tabu.
  6. Bei erfolgreichem Diebstahl treten die Parteien in Verhandlung und dürfen nur erfüllenswerte Bedingungen stellen.
  7. Scheitert jedoch jegliche Verhandlung, wird das Diebesgut einige Wochen im eigenen Dorf als Schandbaum aufgestellt und danach zersägt und versteigert. Während der Zeit wird eine Tafel angebracht, auf der die eigentlichen Besitzer verspottet werden.
  8. Der ganze Brauch soll friedlich, ohne Gewalt und ohne jeglichen Streit geschehen. Das Ganze soll als Spaß angesehen und so an die Generationen weitergegeben werden.

Maibaumbräuche in Oberbayern

Aufstellen eines Maibaumes
Aufstellen eines Maibaumes

Am 1. Mai läuft an vielen Orten in Bayern die gleiche Szenerie ab: Bier, Brotzeiten, Blasmusik und jede Menge Geselligkeit – all das zählt zum Brauchtum rund um den Maibaum.

König Max I. Joseph zu Ehren wurden in Bayern Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten weiß-blauen Maibäume aufgestellt. Maibäume sind in dieser Region bis zu 40 Meter lang. Das Aufstellen des Maibaums nimmt den ganzen Vormittag und viele kräftige Männer in Anspruch.

Genauso spektakulär wie beliebt ist aber auch das Stibitzen der Maibäume. Sobald ein Baum im Wald auserkoren wurde, ist er vor den Burschenschaften der Nachbargemeinde nicht mehr sicher.

Der Maibaum-Klau geht um, mit dem Ziel, anschließend eine hohe Ablöse in Form von Bier und Brotzeiten auszuhandeln.

Maibäume als Liebesbeweis

Maibau für die Liebste
Maibau für die Liebste

Bei all den Bräuchen gibt es auch die Tradition, am 1. Mai der Herzensdame seine Liebe zu zeigen. In der Regel bringen junge, unverheiratete Männer am Haus der Singlefrauen eines Dorfes kleine Maibäume an.

Diese bleiben ca. einen Monat hängen und werden anschließend von den jungen Männern, unter Verlangen einer Antwort oder Geste, wieder abgeholt.

In vielen Regionen ist bei einem Schaltjahr die Geschlechterrolle getauscht. Dann bringen die Frauen die Maibäumchen an.

Auch in den Großstädten ist das Maibäumchen verschenken eine beliebte und gleichzeitig romantische Geste. Viele Menschen kommen ursprünglich aus ländlichen Gegenden und möchten auch in der Stadt ihren Traditionen treu bleiben.

Basteltipp: Wenn Sie jedoch selber Ihrer Liebsten eine Freude machen und ein Maibau einfach eine Nummer zu groß ist, dann basteln Sie ihr doch ein Maiherz.