Hochwasser

Sandsack – Sandsäcke als Hochwasserschutz

  • Überschwemmungen muss man sich nicht wehrlos ergeben. Sandsäcke sind ein gutes Mittel sich bei Hochwasser zu schützen.
  • Je Quadratmeter sind 8 bis 10 Säcke nötig, die jeweils zu 2/3 mit Sand gefüllt werden.
  • Es gibt Jute- und Polyprophylensandsäcke. Die Jutesäcke sind griffiger und für kurze Einsätze geeignet, die PP-Säcke länger lagerfähig.

sandsaecke gegen hochwasser

Hochwasser, Überschwemmung – was tun?

Ob es jetzt nur ein Starkregen mit überschwemmten Keller ist oder ob wirklich ein Fluss über die Ufer tritt und das Haus zu überschwemmen droht: Es gibt auf jeden Fall etwas zu tun und wer gut vorbereitet ist, kann einiges an Schaden verhindern.

Sie müssen sich dem Hochwasser keinesfalls einfach ergeben, auf Ihre Versicherung hoffen und darauf, dass der entstandene Schaden übernommen wird. Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen.

Es gibt genügend Möglichkeiten und Systeme, um Ihr Haus vor Hochwasser zu schützen, Schäden zu vermeiden oder zumindest so gering wie nur möglich zu halten.

In diesem Beitrag setzen wir von heimwerker.de den Schwerpunkt auf die Verwendung von Sandsäcken gegen Hochwasser. Wir informieren Sie über die Vor- und Nachteile der beiden gängigsten Materialien Jute und Polyprophylen. Zudem erklären wir Ihnen, wie Sie die Sandsäcke gegen Hochwasser richtig positionieren, um geschützt zu sein.

1. Sandsäcke richtig einsetzen: Wann kommen sie zum Einsatz?

Hochwasserschutz mit Sandsäcken

Droht ein Hochwasser, sollten Sie bereits Ihre Sandsäcke bereithalten und einen Wall errichten.

Sandsack ist nicht gleich Sandsack. Es gibt Sandsäcke, die für eine längere Lagerung gedacht sind, und diejenigen, die eher kurzfristig zum Einsatz kommen sollten. Die mögliche Lagerungsdauer ist abhängig vom Material des Sandsackes und den Lagerungsbedingungen.

Die klassischen Sandsack-Varianten werden weiter unten vorgestellt. In diesem Zusammenhang ist unser Beitrag Schutz vor Hochwasser hilfreich.

Die Nutzung von Sandsäcken lohnt sich dann, wenn das Hochwasser im Hochwassergebiet noch nicht bis zu Ihrem Haus vorgedrungen ist. Durch die Verlegung von Sandsäcken können Sie so dem Volllaufen Ihres Erdgeschosses oder Kellers gekonnt vorbeugen. Vorteilhaft ist außerdem, dass Sandsäcke insb. wenn nur ein „kleines“ Hochwasser droht, wesentlich günstiger sind, als andere Hochwasserschutzmaßnahmen, wie spezielle Fenster, Türen oder Fassadenverkleidungen.

Hinweis: Sie erhalten 10 Sandsäcke je nach Händler für unter 7 €.

Beachten Sie jedoch, dass das Schleppen der Sandsäcke sowie das Errichten eines Schutzwalls Zeit braucht. Sandsäcke lohnen sich daher als eine vorbeugende Methode, wenn der nächste Starkregen im Hochwassergebiet bereits vom Wetterbericht angesagt wird.

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2. Sandsackbedarf berechnen: Wie viele Sandsäcke werden bei drohendem Hochwasser benötigt?

Um den Bedarf an Sandsäcken grob berechnen zu können gibt es einige Faustformeln.:

  1. Der Bedarf pro Quadratmeter liegt bei etwa 8 bis 10 Sandsäcken.
  2. Ein Standardsandsack misst entweder die Maße 30 x 60 cm oder 40 x 60 cm.
  3. Eine Lage ist ungefähr 10 Zentimeter hoch, für einen Kubikmeter werden also 80 bis 100 gefüllte Sandsäcke benötigt.
  4. Werden die Säcke in einfacher Reihe verlegt benötigt man 3 bis 4 Säcke pro Meter für den Sandsackwall.

Es gibt aber auch sog. Sandsackschläuche, die am häufigsten aus Polyprophylen hergestellt werden. Diese Schläuche messen eine Breite von 100 cm und eine Höhe von ca. 25 cm. So kann eine Tür oder ein Kellerfenster schnell durch einen kleinen Wall gesichert werden.

3. Sandsäcke richtig befüllen: Sandsäcke sollten nur zu zwei Dritteln befüllt sein

Sandsäcke werden nur zu etwa zwei Dritteln mit Sand befüllt. Das entspricht etwa 13 Litern Sand und einem durchschnittlichen Gewicht von 20 Kilogramm. Am besten eignet sich Sand in einer Korngröße von 0 bis 8 Millimetern. Sie können in der Regel also zu Mauersand oder Quarzsand greifen, welche genau in dieses Spektrum passen – auch Spielsand eignet sich gut.

Zum Befüllen der Säcke sind zwei Einsatzkräfte notwendig. Pro Stunde kann ein zweiköpfiges Team ohne Füll-Pylone oder Trichter etwa 80 bis 100 unverschlossene Sandsäcke füllen. Müssen die Säcke verschlossen werden halbiert sich die Kapazität. Elektronische Sandsackfüllgeräte sind störanfällig und häufig nicht verfügbar.

Zum Schließen der Sandsäcke befinden sich oft Zugbänder bzw. Verschlussbänder an den Säcken. Diese Sandsäcke sind ca. 10 ct. teurer als solche ohne. Für einen kleinen Eigenbedarf ist dies sicher eine verkraftbare Investition, benötigen Sie häufig und oft Sandsäcke, empfiehlt sich das schnellere und günstigere Verschließen mit

  • Drahtschlingen
  • & Kabelbindern.

Die Kabelbinder sollten dabei mind. 15 cm. lang sein.

4. Sandsäcke richtig verlegen: Die richtige Stapelweise sorgt für Stabilität

sandsackwall

Die versetzte Stapelweise sorgt für mehr Stabilität.

Je nach Einsatzzweck werden Sandsäcke anders verlegt. Gilt es einen möglichst wasserdichten Notdamm oder Ringwall zu errichten, werden die Säcke unverschlossen verbaut. Dazu wird der überstehende Rand des Sacks lediglich umgeschlagen und mit dem umgeschlagenen Teil nach unten auf dem Damm festgedrückt oder -getreten. Die umgeschlagene Seite zeigt dabei immer zur Wasserseite.

Wird der Sandsack für den Unterwassereinbau, das Ausbessern von Deichen oder das Beschweren anderer Verbaumaterialien verwendet, wird er zuvor mit der angebrachten Kordel oder einem Stück Draht verschlossen.

Beim Errichten eines stabilen Walls, sollten Sie darauf achten, die Säcke in der Höhe nicht unmittelbar übereinander zu stapeln. Der Wall kann so kippen und damit an Höhe verlieren. Arbeiten Sie wie beim Errichten einer Mauer, indem Sie die Sandsäcke versetzt stapeln. Je nach Höhe Ihres Walls sollten Sie unteren Schichten auf der Seite, wo Sie kein Wasser wünschen, mit weiteren Säcken verstärkt werden.

5. Das Material: Die Vor- und Nachteile von Jute und Polyprophylen

Die meisten Sandsäcke bestehen aus Jute oder Polyprophylen. Ballastsäcke oder Silosäcke sind nicht als Schutz gegen Hochwasser geeignet, sondern dienen anderen Einsatzbereichen, wie etwa in der Landwirtschaft. Auf die beiden Sandsack-Arten gegen Hochwasser sowie Ihre Vor- und Nachteile gehen wir kurz in den folgenden Abschnitten ein.

5.1. Jute Sandsack – der Favorit der Bundeswehr

Jute-Sandsäcke sind rutschfest auch an abschüssigen Stellen, wie zum Beispiel Deichen, und lassen sich optimal stapeln. Zugleich sind sie sehr flexibel und dichten gut ab. Jute-Säcke sind geringfügig teurer als PP-Sandsäcke und werden zum Beispiel von der Bundeswehr eingesetzt. Allerdings sind sie nicht für eine längere Lagerung geeignet. Werden die Sandsäcke sofort eingesetzt, sind Jute-Sandsäcke den PP-Sandsäcken vorzuziehen.

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    Vorteile
  • rutschfest
  • Dichten gut ab
  • optimal für abschüssige Stellen, wie Flüsse oder Deiche
    Nachteile
  • Teurer als PP-Sandsäcke
  • Nur für sofortigen und eher einmaligen Einsatz gedacht

5.2. PP-Sandsäcke / Polyprophylen-Sandsack

Helfer transportiert Sandsäcke

PP-Sandsäcke kommen in weiß oder schwarz und sind etwas kompakter als ihre Kollegen aus Jute.

PP-Sandsäcke sind normalerweise weiß und werden aufgrund ihrer Lagereigenschaften häufig von Städten und Gemeinden verwendet. Polypropylen ist ein Kunststoff und dadurch Feuchtigkeits- und UV-beständiger als Jute. Die preiswerte Alternative zum Jute-Sandsack besteht aus Polyprophylen und wird kurz „PP-Sandsack“ genannt. PP-Sandsäcke haben eine lange Haltbarkeitsdauer und gleichzeitig ein kleines Packmaß. Man kann sie über verschiedene Anbieter auch im Internet beziehen. Der Stückpreis schwankt je nach Abnahmemenge zwischen 80 und 10 Cent. Die erhältlichen Standardgrößen sind 30×60 cm und 40×60 cm.

Noch bessere UV-Stabilität bieten schwarze PP-Sandsäcke, die sich auch für eine Lagerung unter freiem Himmel eignen. Gefüllt lassen sich schwarze PP-Sandsäcke bis zu 5 Jahre lagern. Durch die höhere Qualität kosten sie allerdings auch etwas mehr.

Achten Sie bei PP-Sandsäcken besonders auf deren Verschluss. Billigere Varianten sind gerne mit einem sogenannten „Heißcut“ ausgestattet, der bei hoher Belastung allerdings schnell reißen kann. Wählen Sie deshalb eher Varianten mit stabilem Kopfsaum und Verschlussbändchen.

    Vorteile
  • Haltbarkeit von bis zu 5 Jahren
  • Feuchtigkeits- und UV-beständig
  • Günstiger als Jute-Sandsack
    Nachteile
  • schwarze PP-Sandsäcke oft teurer

6. Sandsäcke trocknen: Kann man Sandsäcke wiederverwenden?

Ist das Hochwasser überstanden, kann der Sandsackwall wieder abgebaut werden. Doch kann man die Sandsäcke wiederverwenden?

Der Sand aus den Sandsäcken sollte entnommen werden. Dieser muss fachgerecht entsorgt werden, da er stark verschmutzt oder auch kontaminiert sein kann, z.B. durch ausgelaufenes Heizöl. Größere Sandmengen können und müssen Sie beim Wertstoffhof abgeben.

Den Sandsack selber können Sie auf Platten legen und in der Sonne trocknen lassen. Vergessen Sie nicht, ihn zwischendurch zu wenden, sodass er von beiden Seiten trocknen kann. Auch Wäscheständer und Wäschespinnen können mit genügend Abstand die Sandsäcke wieder trocken machen.

Sandsäcke aus Jute können auch im Schonwaschgang bei maximal 40 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden. Nutzen Sie dazu am besten ein Wollwaschmittel und lassen Sie die Säcke gut trocknen, damit sie nicht faulen.

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