Basteln mit Holz

Zinkung

Holzverbindung Zinkung

Die Zinkung ist eine der aufwändigsten, aber auch stabilsten Holzverbindungen. In die zu verbindenden Werkstücke, z. B. für eine Schublade, werden eine bestimmte Anzahl von sich ergänzenden Zinken geschnitten, die miteinander verleimt werden – wie bei zwei Händen, deren Finger in einem 90-Grad-Winkel miteinander verzahnt sind.

Die Anzahl der Zinken für eine Fingerzinkung mit geraden Zinken wird festgelegt, indem man die Holzbreite in Millimetern durch die Holzstärke in Millimetern teilt. Ein 19 Millimeter starkes und 171 Millimeter breites Holz wird somit in 9 Teile aufgeteilt. Falls das Ergebnis keine ganze Zahl ist, wird auf eine ganze und vor allem ungerade Zahl aufgerundet. Außerdem sollte die Breite eines einzelnen Teiles nicht größer als Holzstärke sein. Ansonsten muss man zwei weitere Teile dazu addieren, damit die Zinkenbreite sich verringert und die Anzahl der Teile sich erhöht. Idealerweise beträgt die Zinkenbreite ungefähr ein Drittel der Holzstärke.

Die raffinierteste Variante ist die Schwalbenschwanz-Verbindung, bei der die Zinken durch ihre Trapezform formschlüssig miteinander verkeilt sind und an den Außenkanten sichtbar sind. Bei einer halb verdeckten Schwalbenschwanzzinkung sind die Zinken nur von einer Seite zu sehen, bei der verdeckten Schwalbenschwanzinkung mit Gehrung sieht man schließlich nichts mehr vom Hirnholz der beiden Werkstücke. Um eine Zinkung auch bei T-förmigen Verbindungen anwenden zu können, bietet sich die Gratung an, die nur aus einem Schwalbenschwanzzinken und einer passenden Gratnut besteht. Wenn man will, kann man die Gratung auch als eine Variante der Spundung verstehen (siehe Nut und Feder). Um große Holzflächen miteinander zu verbinden, bietet sich außerdem das Anfertigen eines Verbindungsstücks in Form von zwei zusammenhängenden Schwalbenschwänzen an.

Anleitung Fingerzinkung

Anzeichnen der ZinkeneinteilungHolzverbindung Zinkung: Überwinkeln mit AnschlagwinkelÜberwinkeln mit AnschlagwinkelHolzverbindung Zinkung: Zinken anreißenZinken mit Streichmaß einteilenHolzverbindung Zinkung: ZinkeneinteilungZinkeneinteilung

Bei einem Kasten oder Rahmen mit Fingerzinkung wird zunächst mithilfe eines Streichmaßes an den Enden der Werkstücke die Holzstärke angerissen. Anschließend zeichnet man die Zinken an. Wenn die Holzbreite beispielsweise in fünf Teile aufgeteilt ist, wird ein Werkstück zwei Zinken und sein passendes Gegenstück drei Zinken haben (siehe Berechnung oben). Dafür werden mit dem Streichmaß die einzelnen Zinken auf Stirnseite sowie Innen- und Außenkante der ersten Werkstückes angerissen. Zuvor sollte man mit einem Anschlagwinkel die Holzstärke auf das Ende des Werkstücks überwinkelt haben.

Sägen und Ausstemmen der ZinkenHolzverbindung Zinkung: Sägen der ZinkenSägen der ZinkenHolzverbindung Zinkung: ZinkenGesägte ZinkenHolzverbindung Zinkung: Ausstemmen der ZinkenAusstemmen der Zinken

Nachdem alle notwendigen Maße angezeichnet sind, wird das Holzteil aufrecht festgespannt. Schlitze  werden von der Stirnseite ausgehend bis zum ersten Streichmaßriss hinuntergesägt. Zwei Dinge sind wichtig: Man sollte eine Säge mit feinen Zähnen verwenden. Eine Absetzsäge oder Feinsäge bietet sich dafür an. Man sollte außerdem immer auf dem halben angezeichneten Strich auf der Seite des wegzunehmenden Holzes sägen, da man ansonsten zu viel Material abtragen würde.Es wird nicht genau auf dem Strich, sondern etwas von der Mitte des Striches versetzt gesägt.

Hat man alle Schlitze gesägt, bringt man das Werkstück in die Waagerechte und entfernt mit einem Stechbeitel das überflüssige Holz. Wichtig ist, dass nur bis zur Mitte der der Holzstärke und nicht bis zum Ende des Werkstückes das abfallende Holz ausgestemmt wird. Zur besseren Kontrolle wird auf der Hälfte das Werkstück gewendet und von der anderen Seite bearbeitet. Um sicher zu stellen, dass der Zinkengrund bei allen Ausarbeitungen auf gleicher Ebene liegt, kann man außerdem als Führung ein gerades Holz an den Streichmaßriss spannen. So wird verhindert, dass man über diesen hinausgerät.

Anreißen der Zinken beim GegenstückHolzverbindung Zinkung: Zinken anreißen auf dem GegenstückFertiges Werkstück als SchabloneHolzverbindung Zinkung: Nachzeichnen der Zinken auf dem GegenstückNachzeichnen der ReißnadelrisseHolzverbindung Zinkung: Sägen der ZinkenSägen des Gegenstücks

Hat man bei einem Werkstück die Zinken vollständig herausgearbeitet, kann man dieses als Schablone für die Zinken auf seinem Gegenstück nutzen. Dazu wird das fertige Werkstück so auf das Gegenstück gehalten, wie es auch später zusammengesteckt werden soll. Mit einem spitzen Bleistift oder einer Reißnadel zeichnet man die Außenkanten der Zinken auf dem Gegenstück nach. Anschließend überwinkelt man die Zinkenrisse auf die Stirnseite des Gegenstückes, spannt dieses aufrecht ein und verfährt weiter wie beim ersten Holzteil.

Säubern, Verleimen und VerputzenHolzverbindung Zinkung: Verbindung einpassenZinkung einpassenHolzverbindung Zinkung: Glätten der ZinkenZinken glättenHolzverbindung Zinkung: Verbundene WerkstückeZusammengesetzte Fingerzinkung

Wenn die Verbindung eingepasst wurde, schleift man alle Innenkanten, verleimt die Rahmenteile und verbindet diese. Am besten gelingt dies, wenn man eine kleines flaches Stück Holz verwendet, dass zum Schutz der Holzoberfläche auf das Werkstück aufgelegt wird, das mit einem Hammer in sein Gegenstück geklopft wird. Ist die Verbindung getrocknet, kann man die Rahmenkanten brechen und den Rahmen glatt schleifen.

Variante: Schwalbenschwanz-Verbindung

Eine Schwalbenschwanz-Verbindung oder Schwalbenschwanzzinkung wird analog zu einer Fingerzinkung hergestellt. Nur das Anzeichen der Zinken erfolgt auf andere Weise, denn die Zinken sind hier trapezförmig ausgearbeitet. Daher bedarf es einiges handwerklichen Geschicks und mathematischen Verständnisses, damit die Werkstücke auch passgenau zusammengefügt werden können.  Das Verhältnis für die Neigung der Zinkenschräge beträgt in der Regel 1:6 bei weichen Hölzern und 1:8 bei harten Hölzern. Als Schwalbenstück wird dasjenige Werkstück bezeichnet, dessen Zinken – Schwalben – von der Stirnseite betrachtet rechteckig und von der Längseite betrachtet trapezförmig sind. Bei dem Zinkenstück verhält es sich genau andersherum.

Einfache ZinkeneinteilungHolzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: SchwalbeneinteilungSchwalbeneinteilungHolzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: Sägen der SchwalbenSägen der SchwalbenHolzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: SchwalbenSchwalbenstück

Natürlich ist es schöner, wenn die Zinken und die Abstände zwischen ihnen ungefähr gleich sind. Aber nicht immer ist das Aussehen der Verbindung entscheidend, sodass man manchmal auf die unten genannte, aufwändige Methode des Anzeichnens verzichten kann.

Bei dieser Art der Zinkeneinteilung ist es nicht notwendig mit Hilfslinien zu arbeiten oder die Werkstücke gegeneinander einzuspannen. Stattdessen legt man für das Schwalbenstück einfach bestimmte Maße fest, wobei man darauf achten sollte, dass die Zinkenschräge im Bereich der Norm gewählt wurde und die Zinken alle gleich sind. Die Schwalben können dann breiter als die Holzstärke, die Abstände zwischen den Schwalben können hingegen schmaler sein.

Holzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: Nachzeichnen der Schwalben auf dem ZinkenstückNachzeichnen der Schwalben auf dem ZinkenstückHolzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: Überwinkeln mit AnschlagwinkelÜberwinkeln mit AnschlagwinkelHolzverbindung Schwalbenschwanz-Verbindung: Zusammengesteckte VerbindungZusammengesteckte Schwalbenschwanz-Verbindung

Wenn man das Schwalbenstück ausgearbeitet hat, kann man es als Schablone für das Zinkenstück verwenden und weiter wie bei der Fingerzinkung verfahren.

Regelmäßige Zinkeneinteilung

Um eine regelmäßige Zinkeneinteilung vornehmen zu können, müssen die beiden Holzteile so eingespannt werden, dass das Zinkenstück aufrecht steht und das Schwalbenstück in einem rechten Winkel von der Innenseite (des späteren Kastens) kommend an dieses stößt und bündig mit ihm abschließt.

Die Zinkeneinteilung muss mithilfe von zwei Hilfslinien erfolgen. Auf dem Zinkenstück wird mit einem Streichmaß ein sogenannter Mittelriss auf der Hirnholzfläche angerissen, der parallel zur längeren Kante der Stirnseite verläuft und die Mitte der Stirnseite, d. h. die halbe Holzstärke markiert. Auf der Fläche des waagerecht liegenden Schwalbenstück wird vom Ende des Werkstückes ausgehend die zweieinhalbfache Holzstärke angerissen, d. h. die Hilfslinie liegt zweieinhalb Holzstärken von der Stirnseite des Werkstückes entfernt und verläuft parallel zur längeren Kante der Stirnseite.

Die Anzahl der Schwalben wird bei einer anvisierten Zinkenschräge von 1:6 festgelegt, indem man die Holzbreite durch das Anderthalbfache der Holzstärke teilt. Wichtig ist, dass man auf eine ganze Zahl rundet, wobei erst bei einer Nachkommastelle von 7 aufgerundet wird. Die Anzahl der Einheiten für die Zinkeneinteilung ergibt sich aus dem Dreifachen der ermittelten Schwalbenzahl plus eins. Bei vier Schwalben werden also 13 Einheiten (4 Schwalben x 3 + 1) für die Zinkeneinteilung benötigt. Diese 13 Einheiten werden auf einer Teilungslinie abgetragen, die an einer beliebigen Stelle schräg über das Schwalbenstück verläuft. Wichtig ist nur, dass man eine Länge wählt, die sich gut in 13 Teile aufteilen lässt.

Nachdem man die Trennungslinie unterteilt hat, überträgt man mithilfe eine Anschlagwinkels die Einteilungen auf den Mittelriss auf dem Zinkenstück und auf die zuvor gezogene Hilfslinie auf dem Schwalbenstück. Nun erfolgt das Anzeichnen der Zinken des Zinkenstücks, indem man von dem zweiten Teilungspunkt der Hilfslinie auf dem Schwalbenstück jeweils eine Linie durch den ersten und dritten Teilungspunkt auf dem Mittelriss des Zinkenstückes zieht. Analog dazu werden die anderen Zinken angezeichnet. Dann geht man von dem fünften, achten und elften Teilungspunkt auf dem Schwalbenstück aus.

Sind alle Zinken angezeichnet, verfährt man weiter wie bei der Fingerzinkung. Das Zinkenstück dient dann als Schablone für das Schwalbenstück.

 

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