Basteln mit Holz

Regal bauen mit Pocket Holes (Taschenbohrung)

Holzleist mit Pocketholes angebracht

Ein schönes Regal nach den eigenen Vorstellungen und Maßvorgaben zu bauen ist für Heimwerker eine schöne Aufgabe – allerdings auch eine Herausforderung. Besonders die Eckverbindungen sind beim Bauen von Regalen problematisch: Eine sichtbare Verschraubung wäre zwar einfach, sieht aber nicht sehr schön aus. Wenn die Verbindung unsichtbar sein soll, ist dies in der Regel mit Aufwand und meist auch mit dem Gebrauch Spezialwerkzeug verbunden.

1. Pocket Holes als Holzverbinder zum Regale bauen

Eine Lösung für dieses Problem stellen sogenannte „Pocket Holes“, auf Deutsch „Taschenlöcher“ oder „Taschenbohrungen“ dar. In den USA ist diese Art der Holzverbindung sehr beliebt, bei uns jedoch noch weitgehend unbekannt. Diese werden hier am Beispiel des Regalbaus vorgestellt.

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1.1. Pocket Holes bohren

Pocket Holes bohren
Pocket holes bohren

Pocket Holes sind nichts weiter als abgestufte Bohrlöcher, die in einem sehr flachen Winkel zur Holzoberfläche gebohrt werden. Die dort eingedrehte Schraube verschwindet komplett im Holz. Für die Ausführung dieser Bohrungen wird ein spezieller Stufenbohrer in einer Bohrschablone benutzt. Einfache Schablonen, wie das UndercoverJig von Wolfcraft, kann man schon für ca. 30 Euro kaufen. Profisysteme wie KregJig sind teurer, dafür aber auch besser ausgestattet.

1.2. Holzverbinderset für die Taschenbohrung

Pocket Holes Bohrer Werkzeuge
Pocket Holes – Werkzeuge

Neben der Bohrschablone und dem mitgelieferten Stufenbohrer benötigt man bei dieser Verbindungsart nur noch einen Akkuschrauber oder eine Bohrmaschine, sowie eine Schraubzwinge. Die Profisysteme verfügen zusätzlich über weitere Zubehörteile und Spannvorrichtungen, welche den Regalbau erleichtern.

Dazu gehören beispielsweise eine Staubabsaugung, spezielle Zwingen oder ein Schnellwechselsystem für Bohrer und Schrauberbits. Für den Einstieg und gelegentliche Anwendungen sind die einfachen Bohrschablonen in der Regel aber vollkommen ausreichend.

1.3. Werkzeug vorbereiten

Bohrer auswählen
Den richtigen Bohrer auswählen

Die Handhabung einer solchen Bohrvorrichtung ist sehr einfach und erfordert keine lange Einarbeitungszeit. Die Bohrschablone selbst wird auf die verwendete Materialstärke eingestellt. Vordefinierte Rastpunkte an den Schablonen machen diese Einstellung recht einfach.

Ein Tiefenstopp auf dem Bohrer sorgt beim Bau des Regals für eine exakte Bohrtiefe. Auch die Einstellung dieses Tiefenstopps wird anhand der Materialstärke vorgenommen. Zur Erleichterung dieses Vorgangs gibt es hierzu entsprechende Einstellhilfen an den Bohrschablonen. Mit wenigen Handgriffen sind Bohrschablone und Bohrer eingestellt und bereit, das erste Pocket Hole zu bohren.

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1.4. Bohrschablone fixieren

Pocket Holes setzen
Pocket Holes setzen
Verleimen und fixieren
Verleimen und fixieren
fertige Pocket Holes
fertige Pocket Holes
Seitliche Pocket Holes
Seitliche Pocket Holes
Regal lackieren
Regal lackieren

Bei den einfachen Bohrsystemen wird die Bohrschablone mit einer Schraubzwinge auf dem Werkstück befestigt.

Die Profi-Systeme verfügen zusätzlich über Spannhebel, die das Arbeiten schneller und komfortabler machen.

Sobald die Bohrlehre fixiert ist, kann gebohrt werden. Dank Tiefenstopp wird die gewünschte Bohrtiefe exakt gehalten. Eine hohe Bohrdrehzahl sorgt für saubere Lochränder.

Die abgebildete Art der Schablonenbefestigung eignet sich auch ideal für große Regalbauteile, die sich aufgrund ihrer Länge nicht aufrecht einspannen lassen.

Durch das schräg eingebrachte Bohrloch neigen die zu verbindenden Regalteile dazu, sich beim Eindrehen der Schrauben zu verschieben.

Daher ist es ratsam, die Werkstücke mit Schraubzwingen so lange zu fixieren, bis die Schraube fest angezogen ist.

Wenn die Verbindung nicht mehr lösbar sein muss, kann man Holzleim auftragen, dies gibt zusätzlichen Halt.

Auch die verwendete Schraube beeinflusst die Haltbarkeit der Verbindung.

Bei Spanplattenschrauben mit Senkkopf besteht die Gefahr, dass der Schraubenkopf das Holz auseinander drückt und zum Aufreißen bringt.

Verwendet man Schrauben mit flachem Kopf, passiert dies nicht. Flachkopfschrauben erzeugen darüber hinaus auch einen höheren Anpressdruck.

1.5. Fertig gebohrte Pocket Holes

Verwendet man die Pocket Holes beim Möbel bauen, achtet man idealerweise darauf, die Bohrlöcher möglichst unauffällig zu platzieren, sodass sie im Normalfall nicht sichtbar sind.

Bei einem Regal beispielsweise wird der Boden von unten verschraubt. Der aufgesetzte Rahmen wird von innen an die Seiten angeschraubt.

Die Fachböden werden von der Unterseite gebohrt und verschraubt. Diese Löcher sind dann später nicht mehr sichtbar.

Wird nahe am Rand verschraubt, muss man jedoch Vorsicht walten lassen.

Spezielle Schrauben mit feinerem Gewinde ermöglichen aber auch solche Verschraubungen, ohne das Holz zu spalten.

Der Vorteil an der Holzverbindung mit Taschenbohrungen ist, dass weder gemessen noch angezeichnet werden muss. Dennoch werden die Ergebnisse dank der Führung des Bohrers sehr präzise.

Auch schwierigere Verbindungen, wie zum Beispiel das Anbringen eines Rahmens auf die Vorderfront des selbstgebauten Regales, sind kein Problem mehr.

Einzig auf die richtige Schraubenlänge muss geachtet werden.

Zur Sicherheit empfiehlt es sich, eine Probeverbindung aus Resthölzern herzustellen, bevor man mit dem Bau des eigentlichen Möbels beginnt.

WarnungTipp: Noch nie mit Taschenbohrung oder Pocket Holes gearbeitet? Dann sollten diese testweise an ausrangierten Holz- oder Möbelstücken geübt werden.

2. Montage nach der Lackierung ist möglich

verschrauben
Durch die Pocket holes verschrauben
Pocket Holes kappen
Pocket Hole-Kappen

Ein weiterer Vorteil von Taschenbohrungen ist, dass man die Bauteile eines Möbelstückes auch noch nach der Lackierung miteinander verbinden kann.

Bei diesem Regal wurde der Korpus getrennt von der Mittelwand und den Fachböden lackiert.

Dies ist deutlich einfacher als das Auslackieren der Zwischenräume an einem komplett montierten Regal.

Nachdem alles lackiert und trocken ist, wird die Mittelwand eingesetzt.

Die Regalböden werden im gewünschten Abstand einfach angeschraubt. Die Schraubenlöcher auf deren Unterseite sind später nicht mehr zu sehen.

Verbindungen, die mit herkömmlichen Mitteln wie Rund- oder Flachdübeln nur schwer zu realisieren sind, machen mit Pocketholes keinerlei Probleme.

Statt vieler Schraubzwingen, welche die Verbindung bis zum Abbinden des Leimes fixieren, benötigt man bei dieser Verbindungsart nur jeweils eine Zwinge zum Fixieren der Bauteile.

Sind die Schrauben eingedreht, kann die Schraubzwinge bereits entfernt werden.

Auch die abgebildeten Zwischenböden und die Mittelwand kann man auf diese Art ganz einfach miteinander verbinden.

2.1. Abdeckkappen für die Bohrlöcher

Wenn die Bohrlöcher die Optik stören, kann man sie mit Abdeckkappen verschließen. Die speziellen Dübel werden eingeleimt und nach dem Trocknen des Leimes verschliffen.

Für lösbare Verbindungen gibt es Abdeckkappen in verschiedenen Farben, die man einfach nur aufstecken muss und bei Bedarf wieder abnehmen kann.

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2.2. Zusammenfassung und Explosionszeichnung

Zeichnung eines Regals

Pocket Holes erleichtern den Bau von Möbeln enorm. Keine andere verdeckte Verbindungsart ermöglicht so schnelle und stabile Verbindungen. Beim abgebildeten Regal wurden alle Verbindungen mit Pocket-Holes realisiert. Die Konstruktion ist so stabil, dass dieses Regal ohne Rückwand auskommt.

Die Explosionszeichnung zeigt die Konstruktion in allen Details: Der Boden ist zwischen den Seitenteilen montiert, die Mittelwand sitzt sicher zwischen Boden und Deckel. Alle Fachböden werden jeweils zwischen die Seiten und die Mittelwand geschraubt. Der aufgesetzte Rahmen besteht aus vier Teilen.

Die aufrechten Rahmenteile werden fest mit den Seitenteilen verschraubt und verleimt. Erst zum Schluss wird der Deckel, welcher den Abschluss des Regals bildet, mit den Seiten, der Mittelwand und dem oberen Rahmenteil fest verschraubt.

3. So ist der Undercover Jig in der Handhabung

Einen Undercover Jig von Wolfcraft erhalten Sie bereits ab 30 Euro. Was es mit dem Lieferumfang und der Handhabung auf sich hat, verraten wir Ihnen.

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3.1. Verpackung und Inhalt vom Undercover Jig

Wolfcraft Undercover Jig

Das 55-teilige Set von Wolfcraft kommt in einem handlichen Werkzeugkoffer.

Das wolfcraft Undercover Jig kommt in einem kleinen Koffer und beinhaltet neben dem Undercover Jig auch einiges an Zubehör:

  • 1 x wolfcraft Undercover Jig
  • 1 x HSS Stufenbohrer 180 mm
  • 1 x PZ2-Bit 150 mm
  • 1 x Feststellring
  • 1 x Inbusschlüssel SW 3
  • 10 x spezielle Holzdübel
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 25 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 30 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 40 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 60 mm

Bis auf eine Schraubzwinge und einem Akkuschrauber oder einer Bohrmaschine wird offensichtlich nichts weiter benötigt.

3.2. Maß nehmen und Bohrer einrichten

  1. Das wolfcraft Undercover Jig bringt sein Maß gleich mit und so lässt sich die Brettstärke (falls nicht bekannt) schnell ermitteln. In meinem Fall hat das 18 mm Fichtenleimholz eine Stärke von 17 mm. Klingt komisch, ist aber so.
  2. Am Undercover Jig wird die Sperre entriegelt und das nächst kleinere Maß der Messung eingestellt. Ob nun 17 mm oder 18 mm gemessen wurden, ist nebensächlich, das nächste Maß ist 12 mm.
  3. Als Nächstes erfolgt die Einstellung der Bohrtiefe. Dazu wird das Undercover Jig auf den Rücken gelegt und der Bohrer in das rechte Loch geführt. Die Ausrichtung erfolgt am Absatz des Stufenbohrers und dem Strich zwischen 12 und 19 mm. In dieser Stellung wird der Feststellring am Bohrer verspannt. Das war es auch schon, – das Undercover Jig ist fertig eingerichtet.

3.3. Die Bohrung im Brett

Nachdem das Undercover Jig eingerichtet ist, geht es auch schon ans Bohren. Dazu wird (wie beim Messen) der Anschlag gedreht, die Kante am Brett angelegt und das Jig mit dem Brett verspannt. Jetzt ist es bereit zum Bohren. Zu erwähnen sei noch, dass sich die zwei Bohrführungen als sehr hilfreich erweisen. So kann das Jig am äußeren Rand des Brettes ausgerichtet und der Bohrabstand durch die zwei Bohrführungen individuell gewählt werden. Hier sollte man lieber etwas Platz lassen, um später eventuell noch Winkelspanner nutzen zu können.

Bei weichem Holz ist sehr vorsichtig und mit hoher Drehzahl zu bohren, da das Holz durch den flachen Bohrwinkel schnell ausreißt. Das hat aber wenig mit dem Undercover Jig zu tun – der Bohrer ist scharf und schneidet gut.

3.4. Nächster Schritt: Schrauben

Ist die richtige Schraubengröße ermittelt, können beide Bretter verspannt und verschraubt werden. Da die Schraube schräg auf das untere Holz trifft, ist das Verspannen sehr wichtig. Schnell wird es sonst verschoben und es entstehen ungenaue Verbindungen.

3.5. Bohrlächer verdübeln

Dafür liefert der Hersteller vorgefertigte Dübel mit passend zugesägtem Winkel. Bei dünnerem Holz ist es notwendig, die Dübel zu kürzen, bei dickeren sicher nicht.

Zu Testzwecken können Sie etwas tiefer in 18 mm Leimholz bohren, die Schraube weggelassen und den Dübel komplett einsetzen. Der Dübel ist zwar sehr passgenau gefertigt und lässt sich nur schwer einfügen, sitzt vom Winkel her aber absolut perfekt.

Mit dem Undercover Jig können Sie aussuchen, ob Sie ich innen oder außen verschrauben, demnach können Sie auch die Seite wählen, die Sie hinterher nicht mehr sehen.

3.6. Turbo möglich: in drei Minuten sind die Bretter verschraubt

In etwa drei Minuten ist das wolfcraft Undercover Jig eingerichtet, sind die Löcher gebohrt und die Bretter verschraubt.