- Wer nur selten und einfaches Glas schneiden möchte, der kommt auch mit einfachem Werkzeug aus. Etwas Übung an Reststücken oder Bruchglas kann nicht schaden.
- Wenn Glas zu schneiden zu Ihrem Hobby gehört, wie etwa Tiffany-Verglasungen oder Recyclingprodukte aus Glasflaschen u. Ä. herzustellen, dann sind Spezialwerkzeuge wie beispielsweise ein Nassschleifgerät sinnvolle Ergänzungen.
- Da ungeschliffenes Glas zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann, sind Handschuhe und eine Schutzbrille unbedingt angeraten. Feinste Splitter sollten am besten durch Schneidöl oder Wasser gebunden und mit Küchenpapier o. Ä. entfernt werden.

Das richtige Werkzeug
Der Glasschneider muss zur Dicke der Glasscheibe passen. Entscheidend dafür ist nicht die Stufenzahl, sondern der Schleifwinkel des Schneidrädchens: Ein flacherer Winkel (z. B. 120°) eignet sich für dünnes Glas (ca. 2–3 mm), ein größerer Winkel (z. B. 135°) für dickes und hartes Glas (ca. 5–10 mm). Jedes Rädchen deckt dabei einen ganzen Stärkenbereich ab. Die Angaben der Hersteller sind Richtwerte und dürfen leicht über- oder unterschritten werden. Daneben kommt es auf die Werkzeugqualität an (Hartmetall, Diamant o. a.). Zu beidem erfahren Sie mehr in unserem Glasschneider-Test.
Ob Sie einfach nur eine Scheibe in einer Laterne ersetzen oder mit Glas basteln möchten: Früher oder später stellt sich die Aufgabe, Glas zu schneiden, fast jedem.
Gerade Heimwerker und kreative Bastler profitieren häufig davon, den Werkstoff Glas in ihr Spektrum aufzunehmen. Da die Eigenschaften von Glas unter anderem „hart“ und „sehr brüchig“ sind, stellt die Glasbearbeitung besondere Anforderungen.
Das passende Werkzeug und der richtige Umgang damit sind – wie so oft – der Schlüssel zum Erfolg.
| Material | Werkzeug |
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1. Die Wahl und Einstellung des Glasschneiders

Um den Glasschneider richtig einzustellen, muss zunächst die Glasstärke gemessen werden.
Der Glasschneider muss passend zur Aufgabe gewählt werden.
Vorab: Ein Glasschneider, der jahrelang in einer Werkzeugkiste herumlag, wird zumindest mit dem offenen Rädchen sicher nicht zu einem sauberen Schnitt verhelfen.
Für einen Anfänger ist es auf jeden Fall einfacher, einen üblichen Rädchen-Glasschneider zu benutzen. Das Schneidrad besteht bei den heute gängigen Modellen meist aus Hartmetall (Wolframcarbid), seltener aus gehärtetem Spezialstahl – beide Varianten werden gleich gehandhabt und sind pflegeleicht sowie universell einsetzbar. Aus diesem Grund bezieht sich diese Anleitung auf den Rädchen-Glasschneider.
Diamantglasschneider gehören dagegen eher in die Hände erfahrenerer Glasbearbeiter.
Wer sich dennoch mit dem Gedanken trägt, gleich mit einem Diamant-Glasschneider einzusteigen, sollte sich die folgende Auflistung ansehen, die die Vor- und Nachteile eines Diamant-Glasschneiders gegenüber einem herkömmlichen Stahl-Glasschneiders aufzeigt:
- Vorteile
- es ist ein geringerer Druck beim Schneiden erforderlich
- die Fissur „erkaltet“ kaum bzw. sehr langsam
- auch ist direktes Schneiden entlang von Schablonen möglich
- kein Schneidöl notwendig – dadurch schonend für beschichtete Gläser (z. B. Spionspiegel, Funktionsgläser)
- Nachteile
- der richtige Umgang mit dem Werkzeug setzt einige Übung voraus, weil ein bestimmter Winkel über die gesamte Schnittstrecke eingehalten werden muss
- Diamantschneider sind teurer
- Diamant wird bei falscher Handhabung sehr leicht unbrauchbar
Ihr Glasschneider muss zur Glasstärke passen, die Sie schneiden möchten. Maßgeblich ist der Schleifwinkel des Rädchens, der jeweils für einen Stärkenbereich optimal ist. Ein einzelnes Rädchen kann durchaus mehrere Stärken schneiden, nur eben nicht sehr dünnes und sehr dickes Glas gleich gut.
Achtung, häufiges Missverständnis: Die klassischen Glasschneider mit sechs Rädchen haben in der Regel sechs gleiche Rädchen. Diese dienen nicht dazu, sechs verschiedene Glasstärken einzustellen, sondern als Ersatz: Ist ein Rädchen stumpf, dreht man einfach zum nächsten, frischen weiter. Nur bei bestimmten Modellen sind mehrere Rädchen mit unterschiedlichen Winkeln verbaut und dann entsprechend gekennzeichnet.
Es gibt also Einstärken- und Mehrstärken-Glasschneider – achten Sie beim Kauf darauf, dass der Schneidwinkel zu Ihrer Glasstärke passt.
Tipp: Wer häufiger Glas schneiden möchte, sollte seine(n) Glasschneider aufrecht in einem Schraubglas aufbewahren, in dem unten ein Stück Schwamm liegt, das mit reichlich Schneidöl oder Petroleum getränkt ist. So bleiben Glasschneider länger scharf und rostfrei. (Ein kleines Stück Schwamm oder Tuch schont dabei die Schneidspitze.)
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2. Zunächst: Glasplatte schneiden bzw. anritzen

Den mit Schneidöl versehenen Glasschneider in einem Zug mit etwa 3 kg Druck durchziehen.
Als Vorbereitung für einen sauberen Schnitt sollte die Glasscheibe gründlich gesäubert und auf eine absolut ebene Fläche gelegt werden. Eine weiche Unterlage (z. B. Korkplatte oder Glaserfilz) schützt das Glas vor Kratzern und gibt beim Anritzen leicht nach. Das Glas sollte Zimmertemperatur haben.
Dann sollten Sie Arbeitshandschuhe und Sicherheitsbrille anziehen.
Wer einen Glaserwinkel hat, braucht den Schnitt nicht vorher anzuzeichnen, sondern kann das gewünschte Maß einfach abmessen. Achtung: Den Abstand zwischen Anlage und Schneiderad des Glasschneiders dazurechnen! Dieser beträgt je nach Modell rund 2,5 mm – am einfachsten setzen Sie das Rädchen an der gewünschten Bruchlinie an und legen dann das Lineal an.
Wer ein dickeres Lineal, eine Leiste oder Ähnliches verwenden möchte, sollte die gewünschte Schnittlinie vorher mit einem Marker anzeichnen.
Bevor Sie die Glasplatte schneiden bzw. anritzen, geben Sie einen Tropfen Schneidöl auf den Glasschneider, wenn er nicht ohnehin in einem Schneidöl- oder Petroleum-Schwamm stehend gelagert wurde.
Der Glasschneider wird senkrecht (im rechten Winkel zur Glasfläche) aufgesetzt – nicht schräg wie ein Kugelschreiber – und – ein einziges Mal! – an der Führung entlang gezogen. Wichtig ist dabei:
- gleichmäßiges Tempo (etwa ein halber Meter pro Sekunde)
- gleichbleibender Druck (fest, aber kontrolliert; als grober Anhaltspunkt ca. 3 kg – mal mit einem Kuli auf einer flachen Küchenwaage ausprobieren)
- gleichbleibende, senkrechte Handhaltung
- über die Glaskante hinaus durchziehen, den Schneider also nicht vorher absetzen
Wenn es richtig gemacht wird, wird das Anritzen von einem gleichmäßigen, sanften Ton begleitet – Fachleute vergleichen ihn mit reißender Seide. Ein knirschendes, kratzendes Geräusch bedeutet dagegen zu viel Druck: Die Ritzlinie splittert dann weiß aus, und der Bruch wird unsauber.
Tipp: Zum Üben können Sie beispielsweise das Glas von einem ausrangierten, alten Fenster verwenden.
3. Danach: Glas brechen

Das Glas gleich nach dem Anritzen in der Hand oder über eine Kante brechen.
Lassen Sie nicht viel Zeit zwischen dem Anritzen und Brechen vergehen. Fachleute sprechen davon, dass die „Fissur erkaltet“, was zu einem unschöneren Bruch führt.
Idealerweise brechen Sie zeitnah nach dem Anritzen – dann gelingt der Bruch am saubersten. Das heißt aber nicht, dass der Schnitt binnen Minuten unbrauchbar wird: Ein mit Schneidöl und richtigem Druck gesetzter Ritz lässt sich oft auch noch Stunden später brechen. Die Spannung baut sich nur mit der Zeit ab, der Schnitt wird zunehmend „kalt“ und bricht immer schwerer – nach Tagen bzw. Wochen unter Umständen gar nicht mehr sauber an der gewünschten Linie.
Der Druck beim Brechen auf die angeritzte Linie sollte von beiden Seiten (rechts und links davon) gleich sein. Die Hände sollen also gleich weit von dieser Linie entfernt sein und von beiden Seiten beim Brechen gleichen Druck ausüben.
Sie können das Glas auch über eine Kante brechen – auch dabei gilt: Die haltende Hand sollte gleich weit von der Fissur (der angeritzten Linie) entfernt sein wie die Druck ausübende, andere Hand. Bei geraden Schnitten lässt sich der Bruch auch sehr sauber mit einer Glasbrech- bzw. Schnittlaufzange öffnen.
4. Schnittkanten abschleifen

Mit einer Diamantfeile lassen sich die messerscharfen Glaskanten stumpf feilen.
Beim trockenen Schleifen unbedingt eine Atemschutzmaske aufsetzen! Glasstaub ist gesundheitsschädlich. Besser ist ohnehin das Nassschleifen, weil dabei der Staub gebunden wird.
Die sehr scharfen Kanten können mit einer Diamantfeile, einem Schleifstein, Diamantschleifpapier oder mit einem Multitool mit Diamantschleifaufsatz abgeschliffen werden.
Wenn Sie ein Elektrowerkzeug benutzen, dann denken Sie daran, das Glas dabei nicht zu heiß werden zu lassen. Das könnte zu Spannungen im Glas und Scherben führen.
5. Wissenswertes und weitere Tipps
5.1. Flaschen schneiden
Wie Sie ein Glasrohr oder Flaschen schneiden und die Schnittkanten abschleifen können, erfahren Sie in unserem Beitrag, in dem Kerzenhalter und Windlichter aus Glas gebastelt werden.
Statt sie in den Glascontainer zu entsorgen, werden Sie vielleicht künftig Ihre Weinflaschen schneiden und zu Vasen, Windlichtern usw. verarbeiten.
5.2. Sicherheitsglas schneiden
Sicherheitsglas gibt es unter den Bezeichnungen ESG und VSG. Wenn Sie versuchen, ESG-Glas zu schneiden, wird die ganze Scheibe zu Glaskrümeln zerfallen.
Ebenso wenig lässt sich echtes Glaskeramik-Glas schneiden – dazu zählen die meisten Kaminofenscheiben (z. B. aus Ceran/Robax). Borosilikatglas (Pyrex) lässt sich zwar grundsätzlich anritzen, ist aber deutlich schwerer sauber zu schneiden als normales Floatglas.
Bestenfalls lässt sich noch VSG-Glas schneiden. Doch auch das ist schwierig, da es von beiden Seiten angeritzt und die Folie nach dem Brechen separat durchtrennt werden muss. Es besteht eine hohe Chance, dass das Glas Schaden nimmt.
Statt (VSG- oder ESG-) Sicherheitsglas zu schneiden, sollten Sie eine solche Glasscheibe besser als fertigen Zuschnitt kaufen oder das Glas schneiden lassen.
Drahtglas zu schneiden ist dagegen ebenso schwer oder einfach wie normales Glas zu schneiden, nur dass anschließend das innen liegende Drahtgeflecht noch durchgeschnitten werden muss. Je nach Dicke des Drahtes kann er durch Hin- und Herbiegen oder mithilfe eines kleinen Seitenschneiders, Winkelschleifers o. Ä. durchtrennt werden.

Ein Kreis- oder Loch-Glasschneider lohnt sich, wenn Glas schneiden zum Hobby gehört.
5.3. Loch in Glas schneiden
Ob Sie nun ein Loch in ein Glas schneiden oder aus einer normalen Glasplatte ein rundes Glas schneiden möchten: Für diese Fälle gibt es spezielle Rund-Glasschneider.
In den Teil, der ausgebrochen oder abgebrochen werden soll, werden mit einem normalen Glasschneider Segmente geritzt, die dann Stück für Stück gebrochen werden. Alternativ lässt sich auch die Kröselzange zum Abbrechen verwenden.
5.4. Glas schneiden mit Flex
Es dürfte sehr schwer sein, aber eventuell auch gelegentlich gelingen, Glas mit einer Flex zu schneiden. Dazu sollte der Winkelschleifer mit einer Diamant-Trennscheibe ausgestattet sein und sehr langsam mit vielen Pausen gearbeitet werden.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Kombinieren Sie ein netzbetriebenes (kabelgebundenes) Elektrowerkzeug niemals mit Wasser – die Verbindung aus Netzstrom und Wasser kann zu einem lebensgefährlichen Stromschlag führen. Winkelschleifer sind zudem Schnellläufer; bei zu hoher Reibungshitze kann das Glas schlagartig zerspringen. Wenn überhaupt mit Wasserkühlung gearbeitet wird, dann ausschließlich mit dafür zugelassenem, akkubetriebenem Nassschleif-Equipment bzw. Geräten mit FI-Schutzschalter (RCD) – und stets mit Schutzbrille bzw. Gesichtsschutz und Handschuhen. Das Gleiche gilt sinngemäß für das Thema Glas schneiden mit einem Dremel.
Wenn es wichtig ist, sollten Sie lieber überlegen, die Glasplatte/das Glas schneiden zu lassen oder das Glas nach Maß zu bestellen, als das Glas selber zu schneiden.
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5.5. Glas sägen
Im professionellen Bereich gibt es Maschinen, um Glas zu sägen.
Als Heimwerker kann der Versuch, Glas zu sägen, gelingen, indem in eine Laubsäge ein Diamantsägeblatt (rund) eingespannt wird. Auch hierbei gilt: langsam und ohne viel Druck arbeiten, damit sich das Glas nicht zu sehr erhitzt.
5.6. Glas ohne Glasschneider schneiden
Diese Methode ist unzuverlässig und funktioniert am ehesten bei runden Flaschen, bei denen sich die Wärme gleichmäßig um den Umfang verteilt – bei Flachglas gelingt sie nur in seltenen Ausnahmefällen: Einen Docht (dickes Baumwollgarn wie Topflappengarn) mit Spiritus tränken, an bzw. um die gewünschte Bruchlinie legen und anzünden.
Danach sofort Eis(-wasser) auf die Bruchstelle geben bzw. die Flasche in Eiswasser tauchen. Mit etwas Glück bricht das Glas an der gewünschten Linie. Arbeiten Sie dabei unbedingt mit Handschuhen, Schutzbrille und in gut belüfteter Umgebung fern von brennbaren Stoffen.
5.7. Spiegelglas schneiden
Spiegelglas wird ganz genauso wie eine normale Glasplatte geschnitten.
Allerdings ist Spiegelglas in der Regel teurer und beim Schneiden sowie beim Schleifen der Schnittkante darf die beschichtete Rückseite nicht verletzt werden.
5.8. Dickes Glas schneiden
Dickes Glas wird genauso wie dünnes geschnitten, allerdings kann es besser gelingen, wenn Sie von unten an der Fissur entlang klopfen – also von der Unterseite der Glasplatte mit einem Glaser- oder Fliesenhammer. Die leichten Schläge erweitern die Fissur nach und nach. Sie müssen hierbei zügig arbeiten und direkt danach wie oben beschrieben brechen.
5.9. Elektrische Glasschneider
Im Grunde gibt es solche Maschinen und Geräte nur für den professionellen Bereich.
Bestenfalls werden unter einem solchen Begriff Multitools mit Aufsätzen oder Fliesenschneider auch als elektrisch betriebene Glasschneider angeboten. Für das Glasschneiden von Bastlerinnen und Heimwerkern sind diese eher nicht empfehlenswert.
6. Folgende 7 Dinge sollten Sie beim Schneiden von Glas unbedingt vermeiden
Folgendes sollten Sie unbedingt beim Glasschneiden vermeiden:
- mehrfach ritzen oder nachritzen
- neu ansetzen (immer in einem, gleichmäßigen Zug ritzen)
- den Glasschneider schräg wie einen Kugelschreiber halten (der Rädchenschneider gehört senkrecht aufs Glas)
- beim Schneiden wie beim Brechen zu wenig oder zu viel Druck ausüben (verbreitetes Motto ist: mit Gefühl, aber beherzt)
- gehärtetes Glas (ESG), Glaskeramik oder VSG-Glas schneiden
- unebenen Untergrund benutzen
- zu viel Zeit zwischen Ritzen und Brechen vergehen lassen
- Verletzungsgefahr nicht beachten
Bildnachweise: alle VGL/Christiane Baldwin außer Feilen Adobe Stock/Кирилл Журавл und Kreis-Glasschneider Adobe Stock/Ivandanru (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)
















Gibt es auch einen Bohrer um Löcher zu bohren im Glas
Ursprünglich wollte ich die Platte eines Glastisches kürzen, aber nun gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um nicht schneidbares Sicherheitsglas handelt und lass‘ es besser sein 🙂